Wie finde ich eine gute Rechtsschutzversicherung?

Wenn man sich als Kunde auf den Weg macht, eine geeignete Rechtsschutzversicherung zu finden, wird man mit einer Vielzahl von Bedingungen und Tarifmerkmalen konfrontiert, deren Bedeutung für die Praxis vielen Versicherten oft nicht klar ist. Wir schaffen an dieser Stelle etwas Klarheit, welche Kriterien für eine erfolgreiche Produktauswahl zu Grunde gelegt werden sollten.

Die Versicherungsbedingungen sollten in keinem einzigen Punkt Regelungen enthalten, die aus Verbrauchersicht ungünstiger sind als die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.  empfohlenen Rechtsschutz-Versicherungsbedingungen (ARB 2008, 2009 oder 2010). Im Wesentlichen handelt es sich dabei um folgende Punkte:

  1. Versicherungssumme min. 300.000 €, Leistung bei Strafkautionen min. 100.000 €
  2. Im Schadenersatz-Rechtsschutz gilt die Folgeereignistheorie vereinbart
  3. Eine Selbstbeteiligung fällt je Rechtsschutzfall nur einmal an, auch wenn mehrere Leistungsarten betroffen sind.
  4. Im Verkehrs-RS (§ 21) besteht Versicherungsschutz im Vertrags- und Sachenrecht.
  5. Rechtsschutz für Opfer von Gewaltstraftaten (Nebenklage im Strafverfahren)

Die Folgeereignistheorie im Schadensersatz-Rechtsschutz lässt sich an einem Beispiel erläutern: Herr Bike stürzt mit seinem Fahrrad schwer, da die Aluminiumgabel bei einer rasanten Bergabfahrt bricht. Er will Schadenersatz gegenüber dem Hersteller geltend machen. Gilt die Folgeereignistheorie, ist dieser Rechtsstreit versichert. Gilt die Folgeereignistheorie nicht, übernimmt der Rechtsschutzversicherer von Herrn Bike nur dann die Kosten, wenn er bereits zu dem Zeitpunkt versichert war, als die Gabel auf den Markt gebracht wurde.

Die Wahl der Leistungsarten ist das zweite wichtige Kriterium. Die Rechtsschutzversicherung unterscheidet folgende Leistungsbereiche:

  • Privat-Rechtsschutz
  • Arbeits-Rechtsschutz
  • Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz als Eigentümer
  • Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz als Mieter
  • Verkehrs-Rechtsschutz

Sie sollten sich entscheiden, ob Sie in einzelnen Bereichen auf Rechtsschutz verzichten möchten. Dabei gilt der Grundsatz: ein umfassender Rechtsschutz ist günstiger als die Summe der einzelnen Rechtsschutzarten. Ein “All-Inclusive-Paket” kann sich in manchen Fällen also auch lohnen, wenn eigentlich nur drei der genannten Rechtsschutz-Arten versichert werden sollen.

Danach müssen Sie sich noch für den Leistungsumfang entscheiden, dabei zählen wir hier nur einige der wichtigsten Leistungsdetails auf:

  • Soll weltweiter Versicherungsschutz gewährt werden?
  • Wünschen Sie in familien- oder erbrechtlichen AngelegenheitenVersicherungsschutz über die reine Beratung hinaus?
  • Wünschen Sie den Verzicht auf Wartezeiten (leider nicht in allen Leistungsbereichen möglich)?
  • Sollen neu hinzukommende Risiken bis zur nächsten Fälligkeit beitragsfrei mitversichert werden (Vorsorgeversicherung)?
  • Wünschen Sie den Einschluss von Mediationsverfahren?

Eine Bemerkung zu den Wartezeiten: wenn Sie sich für eine Versicherung entschieden haben, besteht der volle Versicherungsschutz in der Regel erst drei Monate nach Vertragsbeginn. Damit wollen die Versicherer verhindern, dass Kunden kurz vor einem Schadensereignis, zum Beispiel einer drohenden Kündigung des Arbeitsplatzes, noch schnell eine Versicherungs abschließen. Diese Regelung dient damit auch dem Schutz der langjährigen Versicherten, die sonst mit ihren Beiträgen solches Kundenverhalten mitfinanzieren müssten. Eine Rechtsschutzversicherung muss daher schon dann abgeschlossen werden, wenn die Welt noch in Ordnung ist.

Bei der Selbstbeteiligung gibt es verschiedene Modelle. Die meisten Versicherer bieten eine Wahl der Selbstbeteiligung in verschiedenen Höhen an. Als marktüblich hat sich eine Selbstbeteiligung in höhe von 150 € herausgestellt. Diese sollte unserer Meinung nach auch immer vereinbart werden, da die Tarife mit Selbstbeteiligung deutlich preisstabiler sind als sogenannte “Vollkaskotarife” ohne Selbstbeteiligung. Daneben gibt es Produkte, die die Selbstbeteiligung halbieren, wenn ein von der Versicherung vorgegebener Rechtsanwalt gewählt wird. Andere Anbieter haben eine Art Schadensfreiheitsrabattsystem eingeführt, bei dem die Selbstbeteiligung im Laufe von schadensfreien Jahren immer weiter sinkt. Im Schadensfall erfolgt dann eine Rückstufung, wie es in der Kfz-Versicherung üblich ist. Gerade Kunden mit wenigen Rechtsschutzfällen können von solchen Modellen profitieren.

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Johannes Zeyse

Über Johannes Zeyse

1971 in Hamburg geboren, bin ich nach Ausbildung und Studium in Bielefeld im Jahr 1999 gerne mit meiner Familie in die Hansestadt zurück gekehrt. Seit Mitte der 90er Jahre habe ich als Diakon verschiedene Leitungsfunktionen in der Sozialen Arbeit ausgeübt. Als unabhängiger Finanzdienstleister berate ich seit Anfang des Jahrtausends anspruchsvolle Privatkunden. Mein inhaltliches Interesse galt und gilt insbesondere dem Thema erfolgreiche Geldanlagen und faire Produkten. Zusammen mit Ákos Benkö habe ich 2010 die Claritos - Sozietät für Finanzplanung gegründet, für die ich als Berater und Geschäftsführer tätig bin. Mit diesem Unternehmen bringen wir Klarheit ins Thema Finanzen und Versicherungen, vornehmlich für Privatkunden und Freiberufler.

2 Gedanken zu „Wie finde ich eine gute Rechtsschutzversicherung?

  1. Ansgar Bloch

    Das nenne ich eine klare Gliederung. Vielen Dank für diese Übersicht. Beim Studieren verschiedener Versicherungsangebot ist mir allerding saufgefallen, dass es schwer ist, die exakten Leistungen anhand der Versichererangaben zu entdecken. Meistens werden einige Features beworben und im Vordergrund dargestellt, es ist aber nicht klar, wie der Versicherer zu den anderen Punkten steht.

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    1. Johannes ZeyseJohannes Zeyse Artikelautor

      Vielen Dank für das Lob!

      Und zu Punkt 2: die Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherungsprodukten zu benennen – dafür sind wir ja da. Wenn Sie sich selbst die Mühe machen wollen, nehmen Sie sich die Versicherungsbedingungen vor, die gehören zu einem ordentlichen Angebot und beschreiben die für die Entscheidung wichtigen Punkte. Manchmal allerdings in umständlicher Sprache!

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