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Altersvorsorge Honorarberatung

Deutsche zahlen bei Altersvorsorge drauf

Unter diesem Titel meldete die Tagesschau zeitlich etwas ungünstig am 27. Dezember, dass die Deutschen jährlich 16 Milliarden € vernichten, weil Altersvorsorgeverträge vorzeitig gekündigt werden. Das Strohfeuer der öffentlichen Aufregung ist vorbei. Daher wird es Zeit für uns, dieses Thema mal genauer zu beleuchten. Eine kritische Presseschau.

Unter diesem Titel meldete die Tagesschau zeitlich etwas ungünstig am 27. Dezember 2012, dass die Deutschen jährlich 16 Milliarden € vernichten, weil Altersvorsorgeverträge vorzeitig gekündigt werden. Das Strohfeuer der öffentlichen Aufregung ist vorbei. Daher wird es Zeit für uns, dieses Thema mal genauer zu beleuchten.

Robin Lautenbach im Tagesschau Interview
Robin Lautenbach in der Tagesschau zur Studie (Video leider nicht mehr verfügbar)

Die Fakten sind unbestreitbar. Durch vorzeitige Kündigung geht den Versicherungskunden viel Geld verloren, wie wir jetzt wissen bis zu 16 Milliarden € im Jahr. Da Geld bekanntlichermaßen, sobald es sich auf Konten befindet, nicht verloren geht, müsste die richtige Aussage lauten: das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders. Doch dazu später mehr.

Zunächst zu den Schlussfolgerungen der von den Grünen in Auftrag gegebenen Studie. Sie fordert eine bessere Verbraucheraufklärung:

  1. über hohe Verluste bei Kündigung des Vertrags,
  2. über Provisionen bei Vertragsabschluss.

Da frage ich mich spontan, wieso sollen das die richtigen Schlussfolgerungen sein? Seit Änderung des Versicherungsvertragsgesetz 2008 muss vor jedem Vertragsabschluss der Kunde über genau diese Punkte informiert werden. Zum Angebot bei einem Versicherungsvertrag gehört immer das sogenannte Produktinformationsblatt (meist kurz: PIB). In diesem wird in der Regel in Euro und Cent dargestellt, welche Provisionen bei Abschluss einmalig und zukünftig während der Vertragslaufzeit regelmäßig anfallen. Auch die Rückkaufswerte sind bei Vertragsabschluss bekannt und in Form einer Jahrestabelle einsehbar. Dort teilt der Versicherer bereits vor Vertragsbeginn mit, was der Kunde bei vorzeitiger Vertragskündigung auf jeden Fall und was wahrscheinlich erhält. Die Aushändigung dieser Unterlagen ist gesetzlich vorgeschrieben. Erfolgt sie nicht, kann der Kunde bei späterer Kündigung Schadensersatz fordern,

Wenn die gewünschten Informationen also bekannt sind, stellt sich die Frage, warum der Verbraucher so überrascht ist, wenn er den Vertrag kündigt. Könnte es sein, dass viele Lebensversicherungskunden bei Vertragsabschluss keine Zeit nehmen? Fragen Sie sich doch einmal selbst: wie viel Zeit investieren Sie vor dem Kauf eines neuen Autos (oder eines anderen Konsumartikels)? Und welches Zeitbudget gewähren Sie Ihrer Vorsorgeplanung? Ich nehme an, dass kaum einer meiner geschätzten Leser, der Altersvorsorge das gleiche Zeitbudget einräumt. Dabei geht es bei der Planung der Altersvorsorge um Millionenbeträge, wenn man die Summe aller Zahlungen im Rentenalter addiert.

Vorstellbar ist zweitens, dass Berater diese Informationen nicht preisgeben, oder geschickter: im Wust der Vertragsbedingungen untergehen lassen. Doch das ist unseriöse Arbeitsweise. Aufgeklärte Verbraucher, müssen sich so etwas nicht antun. Es gibt ein ganz simples Gegengift: einen anderen Berater aufsuchen! Stellen Sie Ihrem Berater die Fragen, die Sie haben, auch zum Thema Verdienst und Provision! Gute Berater wünschen sich aufgeklärte Kunden. Dies ist meist die beste Voraussetzung, um im Dialog zu einem für beide Seiten überzeugenden Ergebnis zu kommen. Für eine solche Dienstleistung darf der Berater auch gerne Geld verdienen.

Wobei wir beim nächsten Punkt sind: die Verütung Ihres Beraters. Normalerweise wird die Vermittlung von Lebensversicherungen mit Provisionen vergütet. Doch es gibt Alternativen. Wie sich Honorarberatung auswirken kann, haben wir in diesem Blog bereits mehrfach dargestellt.

Doch völlig außer Acht gelassen wird der meiner Meinung nach wichtigste Punkt, der Abhilfe gegen die Milliardenverluste aus vorzeitigen Kündigungen schaffen könnte: die flexible Produktgestaltung! Warum muss es denn gleich zu einer Kündigung kommen, wenn Zahlungsschwierigkeiten bestehen? Viel besser wäre es doch, wenn der Kunde die Beitragszahlung einfach aussetzen kann. Und wenn er bei Geldbedarf ein Teil des Guthabens entnehmen könnte, bliebe ihm die Kündigung im doppelten Wortsinn erspart. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Viele, wenn nicht sogar die meisten Produkte bieten diese Flexiblität mittlerweile an. Die kommen dann unter Namen wie Beitragspause, Beitragsfreistellung, Teilentnahme, Guthabenauszahlung oder ähnlichen daher. Also prüfe, wer sich (fast auf) ewig binde!

Ich komme zurück auf das Geld, das nicht verloren geht. Ja, wo ist es denn nun, wnn der Kunde den vertrag vorzeitig kündigt? Es landet bei der Versicherung, und kommt dort der Versichertengemeinschaft und den Eigentümern der Versicherung zugute. Die Eigentümer können bei der Rechtsform einer AG die Aktionäre sein. Bei einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (a.G.) sind es die Versicherungskunden. Damit weder die einen, noch die anderen etwas von Ihrem Geld haben, empfehlen wir Ihnen drei Grundsätze einzuhalten:

  1. Nehmen Sie Ihre Vorsorgeplanung selbst in die Hand und nehmen Sie sich Zeit dafür!
  2. Suchen Sie sich kritisch einen geeigneten Berater, der Ihnen das erläutern kann, was Sie nicht auf Anhieb verstehen!
  3. Prüfen Sie die Produkte, die Ihnen empfohlen werden, auf Flexibilität!

Von Ákos Benkö

Seit mehr als 25 Jahren bin ich beruflich mit Finanzdienstleistungen beschäftigt: bei der Hannover Rück und viele Jahre als Geschäftsstellenleiter bei MLP bevor ich 2002 mit Jochen Sturtzkopf die auf die Finanzberatung von Akademikern spezialisierte LOYAS Private Finance AG gegründet habe. 2007 habe ich das Unternehmen verkauft.

2009 habe ich zusammen mit Johannes Zeyse die Claritos - Sozietät für Finanzplanung & Handel gegründet. Mein Themenschwerpunkt ist Investieren in Immobilien.

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