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Claritos Kapitalmarktbericht Q1.2012

Claritos Kapitalmarktbericht Q1 2012: Europa: Zwischen Hoffen und Bangen / Unerwartet hohe Performance an den Aktienmärkten / Gold: Sicherer Hafen oder hochvolatiles Investment?

Interventionen der Notenbanken, Rettungspakete für angeschlagene Staaten und Schützenhilfe durch die Politik: Das erste Quartal 2012 war für Aktienbesitzer ein erfreulicher Zeitraum. Getrieben insbesondere durch die Intervention der Notenbanken legten die Aktienmärkte eine erstaunliche Hausse hin. So erzielte beispielsweise der DAX mit knapp 18% das beste Quartalsergebnis seit 1998.

Europa: Zwischen Hoffen und Bangen Mit einem enormen Kraftakt hat Europa versucht, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen und die Märkte zu beruhigen. Erfreulicherweise haben sich die Staats- und Regierungschefs auf die konkrete Ausgestaltung zukünftiger Hilfsmaßnahmen geeinigt, sowie Griechenlands de-facto-Pleite mit einem Schuldenschnitt abgewendet. Die Märkte dürfte dies, zumindest im Moment, beruhigen. Ob die Maßnahmenpakete ausreichen wird sich zeigen: Schon haben erste Rating-Agenturen signalisiert, dass der Europäische Rettungsschirm möglicherweise vor weiteren Herabstufungen steht.

Zu der politischen Schützenhilfe kommt die enorme Geldschwemme der europäischen Zentralbank: Die Höhe der zur Verfügung gestellten Liquidität beläuft sich auf mehr als eine Billion Euro. Global steht die EZB damit übrigens nicht alleine dar. Ben Bernanke hält an der Niedrigzins-Politik der Fed fest und signalisiert den Banken einen weiteren Geldsegen.

Unerwartet hohe Performance an den Aktienmärkten Eine erstaunlich gute Wertentwicklung zeigten die Aktienmärkte. So konnte der DAX im ersten Quartal des Jahres nicht nur eine außerordentliche Hausse hinlegen. Auch zeigte er eines seiner besten Quartalsergebnisse der Geschichte: Mit rund +18% liegt er im Spitzenbereich der weltweiten Leitindizes. Ebenfalls positive wenn auch nicht ganz so hohe Ergebnisse zeigten der Euro Stoxx 50 (+3,8%) und der Dow Jones IA (+6,5%). Der Hauptgrund liegt wohl in der Flutung der Märkte mit frischem Kapital durch die Zentralbanken. Daher darf zumindest hinterfragt werden, ob die Entwicklung nachhaltig ist und Anleger weiterhin mit steigenden Kursen rechnen dürfen.

Gold: Sicherer Hafen oder hochvolatiles Investment? Wie in Krisenzeiten üblich zeigt Gold seit längerer Zeit eine steigende Tendenz. So verzeichnete das Edelmetall allein in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von 17,5%. Im ersten Quartal dieses Jahres legte es immerhin um rund 4,8% zu. Die Zahlen scheinen daher für Gold als Anlage der Superlative zu sprechen. Eine detaillierte Analyse zeigt jedoch die Risiken: So ist das Edelmetall mit seinem aktuellem Kurs von 1683 USD von seinem 12-Monats-Hoch (rund 1900 USD) weit entfernt. Und auch im ersten Quartal 2012 lag der Höchstwert mit rund 1790 USD deutlich über dem aktuellen Kurs.

Auch die Volatilität spricht eine deutliche Sprache: Mit rund 21% p.a. liegt Gold mit seiner Schwankung teilweise deutlich über so manchem Aktieninvestment. Nichtsdestotrotz: Gold ist und bleibt in hochvolatilen Marktphasen ein sinnvolles Zusatzinvestment. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund steigender Staatsschulden und Inflationstendenzen. Zu beachten ist hier, dass Aktieninvestments nur bedingt als Inflationsschutz dienen. Nur in einem Umfeld moderater Inflation machen sie Sinn. Bei starker Inflation wirken sich die dabei entstehenden Kosten auf Unternehmensebene negativ auf deren Wertentwicklung aus, womit diese Inflationsstrategie ihre Wirkung verfehlt.

Ausblick Es bleibt fraglich, ob die positive Wertentwicklung an den Aktienmärkten weiter anhalten wird. Dagegen spricht, dass von dem Geld der Zentralbanken nur wenig an Unternehmen und den privaten Sektor weitergeleitet wurde. Der größte Teil der Liquidität scheint in den Aktien- und Anleihenmarkt geflossen zu sein, was teilweise deren Hausse im ersten Quartal erklären dürfte.

Dafür sprechen hingegen Signale aus Fernost, wo sich die Anzeichen einer wachsenden Konjunktur in den Emerging Markets mehren. Diese könnten die globale Konjunktur positiv anziehen und sich als Motor profilieren. Insgesamt werden auch die kommenden zwölf Monate von hohen Kursschwankungen geprägt sein, da noch nicht abzusehen ist, ob der Europäische Rettungsschirm die restlichen Sorgenkinder Europas in vollem Umfang wird stützen können.

Von Johannes Zeyse

2010 habe ich zusammen mit Ákos Benkö Claritos gegründet, um Klarheit ins Thema Finanzen und Versicherungen für unsere Kunden zu bringen. Mein fachliches Interesse gilt insbesondere dem Thema faire Produkte und nachhaltige Geldanlage. 2015 habe ich mich als Generationberater (IHK) qualifiziert, um meinen Kunden eine adäquate Begleitung in Sachen Ruhestands- und Nachfolgeplanung zu ermöglichen.

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