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Claritos Kapitalmarktbericht Q3.2014

Mit einer Zinssenkung auf ein Rekordtief von 0,05% überrascht die EZB die Märkte. Ihr erklärtes Ziel ist die Belebung der Konjunktur und die Anhebung der Inflation. Weitere Maßnahmen sollen folgen.

Weitere Zinssenkung der EZB

Mit einer Zinssenkung auf ein Rekordtief von 0,05% überrascht die EZB die Märkte. Ihr erklärtes Ziel ist die Belebung der Konjunktur und die Anhebung der Inflation. Weitere Maßnahmen sollen folgen.

Tabelle mit Renditen wichtiger IndicesDie Zinsen kennen derzeit nur eine Richtung – nach unten. Nach der spektakulären Zinssenkung Anfang Juni, hat die Europäische Zentralbank (EZB) am 4. September eine weitere Absenkung der Leitzinsen verkündet. Das Bündel beinhaltet folgende Maßnahmen: Der ohnehin schon niedrige Leitzins wird noch weiter gesenkt – von 0,15 Prozent auf 0,05 Prozent. Darüber hinaus wird der im Juni 2014 erstmals eingeführte Negativzins auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB weiter verschärft: Von -0,10 Prozent sinkt der  so genannte Einlagezinssatz auf -0,20 Prozent. Letztere Maßnahme soll die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe an die Unternehmen bewegen anstatt ihre Liquidität bei der Zentralbank zu parken.

Ergänzt werden die Zinssenkungen durch ein umfassendes Ankaufsprogramm von forderungsbesicherten Wertpapieren – so genannten Asset Backed Securities (ABS). Daneben will die Zentralbank auch Pfandbriefe in größerem Umfang ankaufen, um indirekt die Vergabe von Krediten insbesondere in den Krisenstaaten der Eurozone zu fördern. Details zum Ankauf von ABS und Pfandbriefen will die EZB Anfang Oktober bekannt geben, dann soll das Programm starten. Diese Ankaufsprogramme sind – wie schon die Staatsanleiheankäufe auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise – nicht unumstritten, da die EZB damit quasi Geld druckt.

Die EZB begründet diese drastischen Schritte mit einer drohenden Deflation in Europa, der immer noch schwachen Wirtschaftsentwicklung sowie der geringen Kreditvergabe an die Realwirtschaft. Die Ökonomen der Zentralbank haben im September ihre Inflationserwartung für 2014 noch einmal nach unten korrigiert – auf jetzt 0,6 Prozent. Dies ist nach Ansicht der EZB viel zu wenig, denn ihr Inflationsziel liegt bei zwei Prozent.

Euro gibt nach

Die Zinsentscheidung wirkte sich unmittelbar auf die europäische Leitwährung aus. Gegenüber dem USD gab der Euro im vergangenen Quartal kräftig nach. Mit 1,26 USD zeigt er den niedrigsten Stand seit über einem Jahr. Für die EZB ist es genau die gewünschte Entwicklung: Ein schwacher Euro erhöht die Exporte und damit – so die Erwartung – auch die Inflation.

Aktienkurse leicht im Minus

Diese Zinsentscheidung der EZB hat Auswirkungen auf Aktienmärkte. So legte der DAX – zumindest unmittelbar nach Bekanntgabe der Zinssenkung – mit rund einem Prozent deutlich zu. Bezogen auf das komplette dritte Quartal liegen die meisten Leitindizes jedoch im Minus.

Ausblick

Wie wirkt sich die unkonventionelle Politik der EZB auf die Rentenfonds aus? Die Auswirkungen sind differenziert zu betrachten: Von der gegenwärtigen Situation profitieren etwa jene Rentenfonds, die noch Papiere älteren Datums halten. Die Kurse der älteren Papiere mit höheren Kupons sind aufgrund des Zinstiefs deutlich gestiegen.

Andererseits droht Gefahr durch die Zinswende, auch wenn diese derzeit nicht absehbar ist. Wenn die Zinsen wieder steigen, fallen die Kurse von bereits emittierten Anleihen mit niedrigem Zinskupon. Ein Anleiheportfolio verliert damit an Wert. Die derzeitige Situation von Rentenfonds muss also differenziert betrachtet werden. Je nach Portfoliozusammensetzung und Strategie können die Fonds vom Niedrigzinsumfeld durchaus profitieren.

Wie wird die künftige  Ausrichtung der Fondsmanager? Bei Rentenfonds bringen neu gekaufte Papiere – vor allem von Staaten im Euroraum mit gutem Rating – nur noch sehr geringe Renditen. Die Fondsmanager könnten also gezwungen sein, sektorenübergreifend zu investieren. Dazu gehören z.B. Unternehmensanleihen oder Staatspapiere von Schwellenländern. Mit Chancen auf einen Mehrertrag – aber auch mit den dazugehörigen Risiken.

 

Haftungsausschluss: Der Claritos Quartalsbericht stellt keine Kaufaufforderung dar. Wir weisen darauf hin, dass wir vor einem Kauf in jedem Fall die Teilnahme an einer Beratung empfehlen, die Ihre Anlegerinteressen analysiert, auf mögliche Risiken hinweisen wird, und aus der eine fundierte Produktempfehlung folgt.

Von Ákos Benkö

Seit mehr als 25 Jahren bin ich beruflich mit Finanzdienstleistungen beschäftigt: bei der Hannover Rück und viele Jahre als Geschäftsstellenleiter bei MLP bevor ich 2002 mit Jochen Sturtzkopf die auf die Finanzberatung von Akademikern spezialisierte LOYAS Private Finance AG gegründet habe. 2007 habe ich das Unternehmen verkauft.

2009 habe ich zusammen mit Johannes Zeyse die Claritos - Sozietät für Finanzplanung & Handel gegründet. Mein Themenschwerpunkt ist Investieren in Immobilien.

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