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Ikarus oder Odysseus?

Nach der Wahl in Griechenland stellt sich nun die Frage, ob das gute alte Hellas im freien Fall wie Ikarus endet, oder ob es eine lange, hindernisreiche Odyssee vor sich hat.

Nach der Wahl in Griechenland stellt sich nun die Frage, ob das gute alte Hellas im freien Fall wie Ikarus endet, oder ob es eine lange, hindernisreiche Odyssee vor sich hat.

Zum status quo: bei den Wahlen am 25.01.2015 verfehlte Syriza die absolute Mehrheit kanpp un dbildet nun eine Koalition mit den „Unabhängigen Griechen“.

Das aktuelle Hilfspaket läuft noch bis Ende Februar. Kommt es bis Anfang, Mitte März nicht zu einer Einigung droht Griechenland die Zahlunsunfähigkeit. Denn die griechische öffentliche Verschuldung beträgt 174% des Bruttoinlandsprodukts.

Syriza möchte nun Griechenlands Schulden neu verhandeln. Dabei präferiert die Partei einen Schuldenschnitt (siehe dazu auch diese weitsichtige Erläuterung aus ZEIT Online vom 03. September 2013).  Gegen diese Entwicklung sprechen die zahlreichen Bedenken der anderen EU-Mitgliedstaaten. Problematisch an dem Ansatz Syrizas ist ferner, dass es das klare Signal gibt, die bisherigen Sparbemühungen aufzuheben und die Lösung nur auf der Nachfrageseite zu verorten, und zwar durch Jobwachstum im öffentlichen Sektor, höhere Altervorsorge etc. Diese Lösungsansätze haben einen langen Vorlauf und führen dazu, dass sich kurz- und mittelfristig die Haushaltslage weiter verschärfen wird.

Ein Schuldenschnitt hätte auch nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn das Haushaltssaldo ohne den Schuldendienst positiv wäre. Dies ist allerdings aktuell nicht oder nur sehr kanpp der Fall. Anders ausgedrückt: auch bei Streichung aller Schulden müsste Griechenland neue Schulden machen. Das Problem Griechenlands ist also nicht der Schuldendienst, sondern eine deutlicher Ausgabenüberhang (ZEIT Online: Warum Griechenland keinen Schuldenschnitt braucht).

Wahrscheinlicher ist die Möglichkeit, dass Laufzeiten griechischer Schulden verlängert werden und dass durch eine Inflationierung in den Euro-Kernländern das Produktivitätsgefälle abgemildert werden wird, so dass griechische Produkte wieder exportfähig werden.

Die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten von gestern zeigen, dass die Entwicklung teilweise bereits eingepreist war und dass die parallele Entscheidung Draghis zum Anleiheaufkaufprogramm deutlich wichtiger ist. Für die einzelnen Anlageklassen erwarten wir die folgenden Auswirkungen:

  • Aktien: wir sehen eine Zunahme von Schwankungen auf dem europäischen Aktienmarkt, insbesondere dann, wenn die Verhandlungen zwischen Griechenland und EU in Stocken kommen sollten. Durch den aktuell schwachen Euro gibt es gleichzeitig positive Impusle für europäische Aktien. Auch die weiterhin hohe Attraktivität der Dividenden im Vergleich zu Zinsen sprechen für weitere Aktiennachfrage und stabile Kurse.
  • Anleihen: für nicht-griechische Anleihen besteht keine unmittelbare Gefahr durch den Wahlausgang. Auch für den Fall eines Austritts Griechenlands aus dem Euro, kann man davon ausgehen, dass deutliche Stützungsmaßnahmen für andere Länder erfolgen werden, so dass sich die Nebenwirkungen begrenzen lassen.
  • Währungen: das größte Risiko ist ein Anstrum der Griechen auf Ihre Banken. Die aktuelle Euro-Schwäche ist vor allem auf das Anleihekaufprogramm und die neidrige oder sogra negative Realverzinsung zurückzuführen. Eine Euro-Aufwertung ist aktuell äußerst unwahrscheinlich.

Von Johannes Zeyse

2010 habe ich zusammen mit Ákos Benkö Claritos gegründet, um Klarheit ins Thema Finanzen und Versicherungen für unsere Kunden zu bringen. Mein fachliches Interesse gilt insbesondere dem Thema faire Produkte und nachhaltige Geldanlage. 2015 habe ich mich als Generationberater (IHK) qualifiziert, um meinen Kunden eine adäquate Begleitung in Sachen Ruhestands- und Nachfolgeplanung zu ermöglichen.

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